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Nacht am Klostersee

Der See ist versickert, sein Wasser entschwand,
Zu den Fresken kehrt es zurück in die Wand.

Im trockenen Seebett liegen wir beisammen im Schlafe,
Du bist alles was mein ist: Belohnung und Strafe.

Schwarz blüht die Nacht wie einer Tulpe Mund
Der Wehrkirche gleichst du auf felsigem Grund.

Ich seh immer nur die Glocken deiner Brüste,
zwei Träume, zwei Muscheln im Netz vor der Küste.

Nachtschwarze Kelche wie Tulpen erblühn
auf weißen Glocken zwei kupferne Spitzen glühn.

Sie läuten, läuten, läuten, aus grollenden Gründen –
man hat uns ertappt, o mein Lied, bei unsern ersten Sünden.

Versiegt ist die Sicht, erloschen die Brände,
versteintes Gewebe die Fresken der Wände.

Aco ŠopovDer aus der Asche weissagt (Гледач во пепелта), 1970
Das mazedonische Original wurde erstmals veröffentlicht in Goldener Kreis der Zeit (Златен круг на времето), 1969
Gedicht übersetzt von Ina Jun-BrodaSchwarze Sonne, 2012
Erstmals veröffentlicht in Literatur und Kritik, 39, October 1969, p. 524