Weiße Schwermut der Quelle

So geh ich denn, altes Lied, keusches Lied,
Verlasse dich ohne Bedauern,
folge der Quelle weißem Trauern
und der unbeständigen Liebe von Strom und von Bach,
für ein Stück Himmel wie Kohlenglut blau,
dem Fernsten, Unerreichbarsten nach.

So ging ich denn, altes Lied, keusches Lied,
verließ dich ohne Bedauern.
Jetzt aber seh ich an der Schwelle der Tage
einen schweren Zweifel hocken und lauern.
Ohne Unterlaß wiederholt er die Frage:
Ist es ein Wert, dem als Wert ich nachjage?

Ich weiß:
Alles wird still wenn der Herbst ins Land zieht
Auch der Strom kommt in der Liebe zur Ruh
sobald er gemündet in seinem Meer.
Und der Himmel wird reifen, befruchtet vom Lied,
und von Reben, von Korn, von Oliven schwer –
Nur die Trauer der Quelle im weißen Gestein
wird unverändert die gleiche sein
und auch das Fernweh in meinem Gemüt.

Aco ŠopovDer Wind bringt schönes Wetter (Ветрот носи убаво време), 1957
Gedicht übersetzt von Ina Jun-BrodaSchwarze Sonne, 2012

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