Nächtliche Quelle

Starrend
in nächtlicher Quelle versunken
wie in ein verwünschtes Gesicht,
was hörst du, entdeckst du
welche feurigen Spuren?
Und hörst nicht,
wie ein Vogel zusammenbricht
gefällt vom eigenen Schrei
oder vom Weihrauch des Wassers
daran er sich zu Tode getrunken.

Starrend befangen in den Spiegel hinein,
den dir geschmiedet
dein eigenes Herz
in welche Tiefen bist du versunken,
von welchem Wasser hast du getrunken
hat dich gefangen
die neue Magie eines Klanges,
daß du von einem tollen Stein
in ein totes Meer gegangen?

Und starrst jetzt voll Bangen
in den nächtlichen Quell
und sucht im eigenen Gesicht
den Flieger
der dir grausam dein Urteil spricht.
Und siehst nichts
und hörst nicht
wie dich ruft
die Nachtigall,
die in deinem Blute steckt
und die Hölle weckt.

Aco ŠopovDer aus der Asche weissagt (Гледач во пепелта), 1963
Gedicht übersetzt aus dem Makedonischen von Ina Jun-BrodaSchwarze Sonne, 2012