Die Narbe

Ich friedete dich mit neun Gärten ein, Blut,
verschloß dich in neun Schluchten –
was willst du denn noch, was verfolgst du mich, Blut,
warum drohst du mir mit deinem dunklen Huf,
warum, du unersättliches?

Ich mauerte dich in neun Gärten ein, in neun Schluchten,
komm zur Ruhe, Blut, senk deinen Spiegel in die Dunkelheit
auf deren Grund dein roter Eber
schon lang nach einer Felsenhöhle sucht zur Rast,
Zurück in deine Finsternisse, Blut,

und sieh dich nicht um –
einen besseren Ort findest du nicht, um dich zu bezähmen,
als die neun Gärten, die neun Gärten,
die von deinem Grün leben,
als die neun Schluchten, die neun Schluchten,
die den Frühling deiner Lieder gurgeln
kehr hinab in dein Dunkel, Blut,

und sag mir nicht:

hörst du es dröhnen aus der Ferne,
horch auf das Donnern von Hufen,
Pferde traben auf einer Straße aus Mondschein und Sternen,
traben heran mich zu zertreten.
Sie traben und traben und traben
und werden mich zerstampfen.
Doch ich schlag aus mit meinem Huf
und treff mit einem Schlag sie mitten in die Stirn,
auf daß sie meiner gedenken, von mir berichten,
und daß ihnen leuchte abends die Narbe von meinem Huf,
in ihren mondlosen Nächten,
in ihren lichtlosen Tagen,
auf ihren Wegen durch Unkraut und Dickicht.

Sprich nicht zu mir, Blut, sei still, Blut,
Komm zur Ruh,
eingemauert in neun Gärten,
eingeschlossen in neun Schluchten –
allmächtiger Herrscher
auf unzugänglicher Burg.

(Gedicht übersetzt aus dem Makedonischen von Ina Jun Broda)