Und noch einmal schwarze Sonne

Hier gleicht dir alles auf tödliche Weise:
auch dieser Teer der ausgegossen über Felsanmauern
und dieses Harz,
zähflüssig tropfend durch versiegten Bach und Schneise,
des Vorstadthundes Winseln voller Trauer –
auch er gleicht, schwarze Sonne, dir in seinem Schwarz.

Die Felswand, die von Wasser überflutet,
dem Wasser, das sich hingibt, ganz wie eine Frau
und die sich läβt von dem umfangen,
der mit dem Leben zahlt sein unstillbar Verlangen –
Auch dieser Felsen, der vom Wasser überflutet.

Auch diese Rebenstöcke, Trauben und der Wein,
gereift in Schwüle, Trockenheit und Pein
und in der Dürre Stöhnen,
und, mit verkalkter Seele, dieser Stein,
und, schwarze Sonne, unsere Söhne,
die dürsten unter Rebenstöcken, Trauben, Wein.

Auch dieser Glockenturm unter Fichten,
der Turm der betet und der flucht,
verwundet ächzt…

und jeder, der hier in der Stille Heilung sucht,
und mit zerkratzten Augen auf den Fresken die Gesichten –
Auch dieser Glockenturm unter Fichten –

Hier gleicht dir alles auf tödliche Weise
Auch dieser Teer auf steiler Felsenmauer
und dieses Harz
und über ihm der Große Wagen auf der Sternanreise,
des Hundes aus der Vorstadt schwermütige Trauer –
sie gleichen dir, o schwarze Sonne, auf die gleiche Weise.

Und dieses ganze Land voll Wirrnis und doch klar
die Dürre und die Glut drin es verdorrte,
und seine Wunden drei – drei ungesprochne Worte –
o schwarze Sonne, herbstlich Feuer, spät im Jahr.
Lisch tropft auf uns von einem Stern, der längst erloschen war.

Aco ŠopovDer aus der Asche weissagt (Гледач во пепелта), 1963
Gedicht übersetzt aus dem Makedonischen von Ina Jun BrodaSchwarze Sonne, 2012